Freiwilliges Engagement ist der Herzschlag einer Stadtgesellschaft. Hier übernehmen Bürgerinnen und Bürger selbst Verantwortung, kümmern sich um das Gemeinwesen und schaffen eine lebenswerte Stadt. Ob im Sport, im Sozialen, im Bevölkerungsschutz, in der Kultur, im Umweltschutz, in der Nachbarschaftshilfe, in der Kommunalpolitik – das freiwillige Engagement von Bürgerinnen und Bürger setzt viele positive Impulse, von denen alle profitieren. Damit dieses Engagement gedeihen und wachsen kann, bedarf es eines Umfeldes, das einlädt, ermöglicht, mobilisiert, motiviert, stärkt und vor allem auch Sichtbarkeit und Anerkennung schafft. Wie solch ein beförderndes Umfeld beschaffen sein sollte, kann eine lokale Engagementstrategie beschreiben. Die Stadt Ratzeburg versteht sich als „Engagierte Stadt“ und möchte diesen Weg beschreiten, bestärkt durch die vielen guten Beispiele von anderen Städten im bundesweiten Netzwerk „Engagierte Stadt“, die bereits eine Engagementstrategie entwickelt haben und damit ihre städtische Engagementlandschaften ganz praktisch unterstützen und ausbauen konnten.

„In einer Engagementstrategie wird gemeinschaftlich festgelegt, was freiwilliges Engagement vor Ort braucht und wie sich möglichst viele Menschen dafür begeistern lassen„, sagte Bürgermeister Eckhard Graf.
Mit Unterstützung des Landes Schleswig-Holstein, das mit der eigenen Engagementstrategie „engagiert-in-SH“ freiwilliges Engagement in Kommunen fördert, konnte die Stadt Ratzeburg dieses Vorhaben 2025 umsetzen.
„Wir haben zum Jahresende 2024 eine sehr erfreuliche Förderzusage aus dem Sozialministerium des Landes Schleswig-Holstein erhalten, die es uns ermöglichte, zusammen mit dem Diakonischen Werk und unseren Partnern im Netzwerk der ‚Engagierten Stadt‘ eine solche Engagementstrategie für Ratzeburg in einem großen Beteiligungsprojekt zu entwickeln, die von der Ratzeburger Stadtvertretung in einem einstimmigen Beschluss bestätigt wurde“, sagt Bürgermeister Eckhard Graf.

Ratzeburg wird Programmkommune in der »Gesamtstrategie Ehrenamt« des Landes Schleswig-Holstein
Mit dieser Engagementstrategie bewarb sich die Stadt Ratzeburg 2026 beim im neu gefassten Förderprogramm »Gesamtstrategie Ehrenamt« und wurde dort als ‚Programmkommune‘ für die kommenden drei Jahre aufgenommen. Damit kann der nächste Schritt gegangenen werden, die gemeinsame Umsetzung dieser Strategie mit dem Diakonische Werk Herzogtum Lauenburg bis 2028.
„Das Diakonische Werk Herzogtum Lauenburg mit dem Fachbereich der offenen und interkulturellen Kinder- und Jugendarbeit freut sich sehr, gemeinsam mit der Stadt Ratzeburg am Thema Ehrenamt mitwirken zu dürfen. So wird es möglich, dass alle sich einbringen und ein aktiver Teil des Miteinanders werden, denn das Thema Ehrenamt muss mehr in den Vordergrund rücken“, so die Leitung des Fachbereichs Gleis 21 und Stellwerk, Christian Klingbeil.

Unsere Engagementstrategie
Unsere Leitziele
Sichtbarkeit erhöhen
Engagement soll für alle Bürger*innen transparent, digital auffindbar und öffentlich sichtbar werden.
Anerkennung und Wertschätzung stärken
Engagierte erfahren Respekt, Dank und gesellschaftliche Anerkennung – in Politik, Verwaltung und Öffentlichkeit.
Rahmenbedingungen verbessern
Verlässliche Strukturen, Räume, Beratung und Qualifizierung sichern Engagement langfristig ab.
Partizipation fördern
Jeder Mensch – unabhängig von Herkunft, Alter oder Fähigkeiten – soll unkompliziert Zugang zu Engagement finden.
Netzwerkgedanke verankern
Zivilgesellschaft, Verwaltung, Wirtschaft und Politik handeln gemeinsam und auf Augenhöhe.
Integration und Vielfalt
Engagement schafft Begegnung, fördert Inklusion und macht Vielfalt sichtbar.
Nachhaltigkeit sichern
Engagementförderung wird dauerhaft in städtische Prozesse integriert, regelmäßig überprüft und weiterentwickelt.
Schwerpunkte und Maßnahmen
Eine Servicestelle Ehrenamt
Eine zentrale Anlaufstelle bietet Beratung, Vermittlung und Unterstützung für alle, die sich engagieren oder Projekte starten möchten. Sie begleitet Vereine, vermittelt Fördermittel und stärkt Kooperationen.
Onboarding und Begleitung
Ein leichter Einstieg ist entscheidend. Ratzeburg führt Patenschafts- und Mentoringprogramme ein: erfahrene Ehrenamtliche begleiten Neue. Eine „Willkommensmappe“ mit Informationen und Kontakten erleichtert Orientierung.
Digitale Engagementplattform
Eine barrierefreie Plattform bündelt künftig alle Mitmachmöglichkeiten, Veranstaltungen und Gesuche. Sie dient als Freiwilligenbörse, als Marktplatz des Miteinanders – und als Symbol der Offenheit: Engagement ist für alle da.
Räume für Engagement
Engagement braucht Orte. Die Stadt entwickelt mit Partnern eine Raumbörse, nutzt Leerstände und stärkt bestehende Treffpunkte – etwa die Stadtbibliothek als „Dritten Ort“, den Pavillon an der Schlosswiese oder Stadtteilräume.
Anerkennungskultur
Ratzeburg pflegt eine Kultur des Dankes. Neben der Ehrengabe der Stadt Ratzeburg und wiederkehrenden öffentlichen Ehrungen wird Wertschätzung auch im Alltag sichtbar – durch persönliche Rückmeldungen, gemeinsame Treffen und gelebte Kooperation.
Qualifizierung & Austausch
Mit einer Ehrenamtsakademie Ratzeburg entstehen Schulungen zu Vereinsrecht, Öffentlichkeitsarbeit, Vielfalt, Kommunikation und digitalen Kompetenzen. Supervision, Erfahrungsaustausch und Netzwerktreffen fördern persönliche Entwicklung und Zusammenhalt.
Wirtschaft & Engagement
Unternehmen und Engagierte werden stärker vernetzt. Eine Broschüre „Engagierte Menschen & engagierte Betriebe“ zeigt vorbildliche Kooperationen und lädt zu neuen Partnerschaften ein.
Bürgerbeteiligung & Spendenparlament
Ein Ratzeburger Spendenparlament ermöglicht Bürger*innen, über die Förderung lokaler Projekte mitzuentscheiden – transparent, demokratisch, gemeinschaftlich.
Integration & Vielfalt
Engagement lebt von Vielfalt. Die Stadt fördert eine Kultur, in der jede und jeder willkommen ist. Interkulturelle Öffnung, Barrierefreiheit, generationsübergreifende Projekte und neue Anspracheformen gehören zum Selbstverständnis der Engagementförderung. Ratzeburg will Engagementstrukturen schaffen, die offen, diskriminierungsfrei und respektvoll sind – und in denen unterschiedliche Lebenswege und Perspektiven als Bereicherung gelten: https://herzein-rassismusaus.de/
Nachhaltigkeit und Verantwortung
Damit Engagementförderung nicht von Einzelprojekten abhängt, wird sie strukturell verankert:
- Eine feste Koordinationsstelle sichert Kontinuität. Sie soll gemeinsam mit dem Diakonischen Werk Herzogtum Lauenburg entwickelt und etabliert werden.
- Es wird dafür eine finanzielle Unterstützung durch die ‚Landesförderung zur Unterstützung von ehrenamtlichen Strukturen im kommunalen Raum‘ im Rahmen der Engagementstrategie der Landes Schleswig-Holstein beantragt: https://engagiert-in-sh.de/
- Die Steuerungsgruppe ‚Engagierte Stadt Ratzeburg‘ begleitet die Umsetzung der Engagementstrategie.
- Eine jährliche Evaluation sorgt dafür, dass die Strategie lernfähig bleibt.
Unsere Erfahrungen
Die Engagmentstrategie der Stadt Ratzeburg basiert auf zwei zentralen Quellen: einer Befragung von Engagierten und Verantwortungsträger*innen aus dem Frühjahr 2025 sowie einer Bürgerwerkstatt im September 2025.
Ergebnisse unserer Befragung (2025)
„Einmal engagiert – immer engagiert.“
Wer sich einmal auf Engagement eingelassen hat, bleibt verbunden – mit der Sache, mit den Menschen und mit der Stadt. Diese Kraft wollen wir stärken und sichtbar machen.
1 zu 10
Eine engagierte Person erreicht bis zu zehn weitere Menschen. Jede freiwillige Aktivität entfaltet Multiplikatorwirkung – durch persönliche Ansprache, Vorbild, Motivation und gemeinsames Tun.

Ergebnisse unserer Bürgerwerkstatt (2025)
- Engagement entsteht aus persönlicher Motivation, Sinn und Gemeinschaft.
- Menschen brauchen klare Informationen, Ansprechpartner*innen und einfache Wege ins Ehrenamt.
- Anerkennung, Begleitung und Austausch sind entscheidend, damit Engagement wächst und bleibt.
Stimmen aus unserer Bürgerwerkstatt
- „Ich wurde durch einen Freund angesprochen und wusste sofort: Ich werde hier gebraucht.“ „Am Anfang war es schwer, die Informationen zu finden. Eine Plattform hätte mir den Einstieg erleichtert.“
- „Mir hat geholfen, dass erfahrene Ehrenamtliche mich begleitet haben.“
- „Wertschätzung und kleine Gesten, wie ein Danke oder ein gemeinsames Essen, zeigen: Ich bin wichtig.“
